Betreutes Lesen – Kapitel 5

Welcome back! Im fünften Kapitel wird Malina von einem Hühnchen geweckt. Und zwar von diesem hier:

$_1

In den 90ern gab es den Alarm-Gockel in jeder Kaufhaus-Abteilung zu kaufen und ich begehrte ihn fast so sehr wie ein MickyMaus-Telefon. Und SO hörte es sich an! (YouTube)

In den 90ern waren Zeitmesser ja noch ein Ding. Nicht nur, dass an öffentlichen Plätzen ganz selbstverständlich Uhren hingen oder standen – ohne eine Armband-Uhr hätte man sich irgendwie nackt und hilflos gefühlt. Während ich das schreibe, schießt mir eine Erinnerung aus dem Sportunterricht durch den Kopf: auf der langen Bank wurden nämlich immer die Armbanduhren abgelegt, und es waren nicht gerade wenige. Meine war die geilste. Es handelte sich um eine WWF-Armbanduhr mit einem Zeiger-Delphin, der bis 12:00 aus dem Wasser und ab 12:00 zurück ins Wasser sprang. War damals nicht ganz so infantil wie „FlikFlak, die Schweizzr Urrr für Kindrrr„, aber es wäre noch cooler gegangen: z.B. mit der wasserfesten Baby-G von Swatch! (Hätte mich eh nicht zwischen rosa und hellblau entscheiden können)

BG-1006BD-4ER

Malina ist aus finsteren Träumen erwacht, in denen sie Agent Dana Scully war. Die mysteriösen Fälle des FBI, bekannt unter dem Namen Akte X, war einer der wenigen guten amerikanischen Serien der Zeit. Ich habe ein Dokument gefunden, in dem ich meiner besten Freundin vom Anschauen meiner ersten Akte X-Folge berichte.

(…) Jedenfalls war’s dann so spannend und gruselig, dass wir dabei waren, uns sämtliche Körperteile abzubeißen und uns die Haare rauszureißen, und wir waren an manchen Stellen richtig am schreien!

Ist jemand Fan der Serie und erkennt die Episode wieder?

Bildschirmfoto 2016-06-19 um 15.44.13

Malina will nach Castrop-Rauxel. Sie nimmt ihren Walkman mit und eine Kassette von den Smiths.
Wenn ich in absehbarer Zeit der Jugend von heute aus meinem Buch vorlese, werde ich mich wohl erklären müssen. Die Kassette als Tonträger ist nämlich komplett ausgestorben und der Walkman verschwand mit ihr im Museum der Musikabspielgeräte. Eigentlich war er auch ein Ding der 80er, zumindest das Modell mit den Schaumstoff-Babybels als Kopfhörer… (s. Abbildung)
1998 hatte ich bereits meinen ersten Discman, und zwar mit Anti-Schock-System! Das sollte verhindern, dass der „Silberling“ sprang, wenn man mit dem unhandlichen Teil abspacken wollte. Es gab eine kurze Phase, in der ein Produkt namens Minidisc versuchte, sich am Markt durchzusetzen, aber wie wir alle wissen, vergebens.

Thema Walkman

Malina läuft durch ein Industriegebiet in Castrop-Rauxel. Sie sieht ein McDonald’s-Schild in der Ferne uns stellt fest: Hier sieht es aus wie in Amerika, und zwar wie in dem Amerika aus dem Englischbuch.

Bildschirmfoto 2016-06-19 um 16.44.47

Dies ist mein damaliges Englisch-Buch für die achte Klasse. Das Thema waren die Vereinigten Staaten und ich war so verliebt, dass ich es schon in den Sommerferien von der ersten bis zur letzten Seite durchgearbeitet hatte. Die Stories handelten von einem Jahr an der Highschool, von asiatischen Migranten, Navajo-Indianern und dem Nachtleben von New York. Das Cover des Buches ist sehr vielsagend: Darauf die Twin Towers des WTC, die es seit 2001 nicht mehr gibt. Das Amerika aus dem Englischbuch gibt es nicht mehr. Der Mythos USA ist passé, jedenfalls kein Sehnsuchtsort mehr. Wer hätte das in den 90ern überhaupt für möglich gehalten?  Mein erster Roman (1991, 8 Seiten) handelte von einem Mädchen, das nach New York abhaut, um Sängerin zu werden! Eine USA-Flagge hing über meinem Bett! Ich stellte mir sogar vor, dass unsere Sozialwohnung in der Bronx war! Dann weinte ich ein bisschen und fühlte mich besser.

Als Alois Dudek in Malina einen Fan vermutet, gebiert er sich wie ein Charmeur, der Werbung für italienischen Espresso machen könnte. Das spielt auf die unvergessliche Nescafe-Cappuccino-Werbung an.

„Generation X? Generation Nix!“ schimpft der Großvater über die Jugend, der er vorwirft, nur noch vor dem Computer zu hocken. Man kann nur bezweifeln, dass er das Buch von Douglas Coupland gelesen hat, wahrscheinlich hat er den Begriff in den Medien aufgeschnappt. „Generation X“ erzählte in kurzen Geschichten von verlorenen jungen Menschen, von desillusionierten Twentysomethings, arbeitslosen Slackern, also der einzig wahren Zielgruppe für GRUNGE.

51PU9ufHp9L._SX348_BO1,204,203,200_

Wer dieses Buch liebte, der liebte auch den Film „Reality Bites“ mit Winona Ryder und Ethan Hawke. Ich war ein Riesenfan sowohl vom Buch als auch vom Film und bin unter dem Einfluss bis heute überzeugt, ein paar Jahre zu spät auf die Welt gekommen zu sein.

Schreibt in die Kommentare, was euch zu all diesen Dingen einfällt! :D

6 Kommentare


  1. // Antworten

    „Reality Bites“ gehörte zu meinen Lieblingsfilmen, zusammen mit „Meerjungfrauen küssen besser“ und „Singles“. Ich war aber auch totaler Winona-Ryder-Fan. Kürzlich habe ich „Reality Bites“ nach langer Zeit wiedergesehen und musste leider feststellen, dass der Film ein bisschen gelitten hat und mit meinem Nicht-Teenie-Hirn nicht mehr so ganz auf Spur läuft. Man möchte der guten Winona die ganze Zeit zurufen, dass sie nicht mit so einem selbstsüchtigen, dauerjammerndem Typen wie Ethan zusammenkommen soll, aber sie hört ja nicht.


    1. // Antworten

      Reality Bites habe ich auch geliebt! Und heute erinnere ich mich nicht einmal mehr wirklich daran, was darin passiert. Ich glaube, ich frische die Erinnerung besser nicht auf.


  2. // Antworten

    Lol … diese Uhren hatten ich ganz vergessen. Die waren ein riesen Ding damals. Die Delfine waren top. Sehr nerdig: ich hatte dann sogar irgendwann mal diese digitale Armbanduhr mit den ganzen Zahlentasten drauf, mit der man rechnen konnte und sowas. Andere hatten, wenn ich mich recht entsinne, auch Uhren, mit denen man Fernsehers und Videorekorder fernbedienen konnte. Und dieses Huhn! Beim Lesen dachte ich: ‚hm, ok, sagt mir nichts. Ich muss mich ja nicht mehr an alles erinnern oder kenne es wirklich nicht.‘ Und jetzt? Voll der Flash mit dem Bild vom Wecker und diesem Video mit dem Spruch hinterher xD Toller Beitrag mal wieder.

    Aber mal was anderes. Spricht sich unser guter Ohppa Dudek eigentlich mit „eu“ oder eher getrennt, also Alo-is? Hat mir aus irgendeinem Grund zu denken gegeben :)


  3. // Antworten

    Ich habe Dein Buch gerade gekauft und deshalb nur mal kurz durch diesen Beitrag gescrollt, weil ich will ja parallel von Anfang an zum Buch lesen. Beim Anblickt des Weckers fühlte ich mich aber sofort um 25 Jahre zurückversetzt. Und das Englisch-Buch und Generation X (mein absolutes Lieblingsbuch damals. Ich hatte dazu sogar eine Buchvorstellung gemacht) haben dieses Gefühl noch verstärkt.
    Ach toll dieses Blog. Danke Dir!


  4. // Antworten

    Das Foto der Baby-G-Uhr – die ich übrigens in hellblau hatte – hat mich sofort dazu veranlasst, meine Mutter danach zu fragen, wo diese Uhr ist! Das lässt mir jetzt wirklich keine Ruhe mehr!^^
    Die Delfinuhr von dir hat mir leider nichts gesagt – hört sich aber interessant an! Werd ich gleich mal googlen ;-) Hammer Blog! =)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.